Martina Proprenter MA

frei selbst ständig

 

Service-Text: App Touch&Travel

(erschienen am 23.11.2014 in Der Sonntag)


Nützliche App mit Tücken

TOUCH & TRAVEL macht das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht viel leichter

Beim Bahn- und Busfahren Zeit sparen und die Nerven schonen? Das Versprechen der Bahn zu ihrer App „Touch&Travel“, die nun auch im Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) genutzt werden kann, hört sich vielversprechend an. Inder Praxiswird Zugfahren im Dreiländereck damit aber nicht unbedingt stressfreier.

  MARTINA PROPRENTER

Bei spontanen Fahrten mit Bus oder Bahn ist es oft gar nicht so leicht, aus den zahlreichen Angeboten das günstigste auszuwählen. Einzelfahrt, Tagesticket oder doch lieber eine Punktekarte kaufen? Sorglosigkeit verspricht die App „Touch&Travel“, nutzbar mit iOS ab 6.0 und Android ab 2.3.3. Vor Fahrtbeginn muss in der App lediglich „Fahrt beginnen“ angeklickt werden, sobald man aussteigt, folgt ein Klick auf „Fahrt beenden“, und die App errechnet automatisch die gefahrene Strecke, ein Zielort muss im Vorfeld nicht angegeben werden. Die Fahrkosten werden bequem vom Konto abgebucht.


 

Als „das Beste“ wird zudem vom Herausgeber, der DB Mobility Logistics AG, darauf hingewiesen, dass innerhalb des Verbundgebiets – also beispielsweise im RVL – ein ermäßigter Einzelfahrpreis abgerechnet wird. Bei mehreren Fahrten an einem Tag sollen diese automatisch als Tageskarte berechnet werden, wenn dies günstiger ist. Beim Praxistest von Rheinfelden nach Basel Badischer Bahnhof rechnete die App 2,40Euro ab. Der Fahrkartenautomat hätte 3 Euro genommen.

 

Auch Fahrkartenkontrollen sollen problemlos gemeistert werden können. Innerhalb der App gibt es den Menüpunkt „Kontrolle“, in dem ein Bar-Code angezeigt wird, der von den Kontrolleuren im Zug gescannt werden kann.

 

Die App-Installation selbst ist auch mobil rasch erledigt, da sie nur 4,6 MB groß ist. Vor der ersten Nutzung ist aber eine Registrierung notwendig, das Mindestalter beträgt 18 Jahre. In acht Schritten müssen persönliche Daten eingegeben werden. Bisher werden nur vier deutsche Mobilfunkanbieter akzeptiert: E-Plus, O2, Telekom und Vodafone. Eine Nummer von Tchibo-Mobil wurde beim Test nicht akzeptiert. Neben den üblichen Angaben zur Person und der Postadresse müssen zudem eine E-Mail-Adresse und die Mobilfunknummer angegeben werden. Beide sind für die Anmeldung in der App nötig.

 

Wer eine Bahn Card hat, kann diese ebenfalls angeben, von allen Vergünstigungen profitieren und Punkte beim Bahn-Bonus-Programm sammeln. Ein Häkchen reicht, um den AGB zuzustimmen, und obwohl diese 118 Seiten lang sind, sollte nicht einfach das Häkchen bei „gelesen“ gesetzt, sondern ein Blick hineingeworfen werden. So steht etwa darin, dass das Handyticket vor der Fahrt gelöst werden muss. Wer einsteigt und nach der Abfahrt noch mobil ein Ticket löst, hat nicht nur keine gültige Fahrkarte, sondern kann künftig für Online- und Handytickets gesperrt werden. Vor Fahrtbeginn ist eine Positionsbestimmung nötig, entweder über den aktivierten Ortungsdienst oder durch Scannen der Kontaktpunkte am Automat. Im Test erkennt die App Gleis 2 des Rheinfelder Bahnhofs nicht als Abfahrtsort an, Gleis 1 hingegen schon.  


 

Ein Ticket lösen ist innerhalb von Sekunden möglich, für IPhone-Nutzer gibt es einen zusätzlichen Erinnerungsservice. So kann man sich nach der voraussichtlichen Fahrtdauer eine Erinnerung als Push-Mitteilung schicken lassen, kostenlos. Um diese Uhrzeit und alle fünf Minuten danach wird dann eine Erinnerung verschickt, dass die Fahrt noch nicht beendet wurde. Dieser Punkt ist besonders wichtig, denn die App zählt andernfalls die vermeintliche Fahrtzeit weiter mit, was zu einem unnötig höheren Fahrpreis führen kann. Während eine Busfahrt innerhalb Lörrachs im Test problemlos mit der App funktionierte, scheint der Badische Bahnhof in Basel eine Schwachstelle zu sein. In Basel angekommen, konnte das IPhone jedoch kein deutsches Netz finden, die Fahrt innerhalb der App konnte so nicht beendet werden. Dasselbe Problem hatte die App bei der Rückfahrt: Ohne Handynetz war es nicht möglich, ein Ticket zu lösen. Alternativ könnte ein Schweizer Netz genutzt werden, inklusive Internet, wofür dann allerdings zusätzliche Roaming-Gebühren anfallen.

 

                   

INFOS unter www.touchandtravel. de. Die App kann kostenlos im AppStore (iOS) und GooglePlay-Store (Android) geladen werden.